Die Mollybetiker Dresden e.V.
Erste Selbsthilfegruppe für Adipositas in Sachsen
Die Selbsthilfegruppe
„Die Mollybetiker Dresden“ versteht sich als eine Plattform für alle
übergewichtigen Menschen. Ihre Mitglieder haben sich im Jahr 2008 zusammengefunden,
um über gemeinsame Erfahrungen mit dem „Dicksein“ zu sprechen, um sich
auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.
Die Fachleute
sprechen bei starkem Übergewicht von Adipositas oder auch Fettsucht. Das wirkt
sich massiv auf das gesundheitliche Wohlbefinden der Betroffenen aus.
Mittlerweile ist schon jeder zweite Europäer übergewichtig und jeder fünfte
fettleibig. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat daher die Adipositas als
globale Epidemie eingestuft. Ursache für diese Erkrankung ist die Zufuhr von
mehr Energie als der Organismus verbraucht. Vielfältige Gründe führen zu diesem
Ungleichgewicht. Typisch für den westlichen Lebensstil ist ein nahezu
unbegrenzter Nahrungszugang, verbunden mit einem drastischen Rückgang der
körperlichen Aktivitäten. Unbehandelt führt die Adipositas zum Diabetes
mellitus Typ 2, zu Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Schlafapnoe, Krebs
und Gelenksarthrose. Diese Folgeerkrankungen bedeuten häufig eine starke
Einschränkung der Lebensqualität und Lebenserwartung für die Betroffenen.
Diäten oder Hungerkuren bei ausgeprägter Adipositas sind in der Regel wenig
erfolgreich. Der meist folgende Jo-Jo-Effekt kann zu einer Gewichtszunahme bis
über das Ausgangsgewicht hinaus führen.
Auf Grund dieser
Tatsachen, eigener Erfahrungen der Mitglieder und dem bisherigen
Nichtvorhandensein von Selbsthilfegruppen und Ansprechpartnern für dieses Thema
in Dresden haben sich Patient/innen des Städtischen Krankenhauses
Dresden-Neustadt zur Gründung einer Selbsthilfegruppe entschlossen. Einige der
Mitglieder schildern ihre Beweggründe für eine Selbsthilfegruppe im Allgemeinen
folgendermaßen: Aus unserer eigenen "dicken" Entwicklung kannten wir
die Probleme nur zu gut, denn oft seit Kindesbeinen sind wir übergewichtig.
Darunter haben wir besonders im Kindesalter sehr gelitten. Ständige Hänseleien
und Anfeindungen, besonders auch von Gleichaltrigen, machten uns das Leben
schwer. Infolgedessen zogen wir uns immer mehr zurück, bauten uns eine eigene
Welt auf und fraßen buchstäblich alles in uns hinein. Die Probleme waren dann
mit Essen, vorzugsweise Süßigkeiten, zwar etwas weniger schlimm zu ertragen.
Aber natürlich erreichten wir damit nur das Gegenteil. Ein Teufelskreis begann,
der kaum allein zu durchbrechen war. Später dann, als man eventuell mal in ein
Fitnessstudio ging, schloss man Wetten ab, wann die Geräte nun zusammenbrechen würden.
Ähnliches widerfuhr uns beim Schwimmen als alle johlten, wann wohl das Becken
überlaufen würde. Also hört man auf mit Sport. Unser Gewicht kannte bis auf
wenige kurze Ausnahmen eigentlich nur eine Richtung: nach oben. So war man in
Bereichen jenseits der 130 kg angekommen. Mit steigendem Gewicht stellten sich
auch nach und nach die oben genannten Begleiterkrankungen ein. Psychisch
rutscht man dann immer mehr ab und alles scheint sowieso keinen Sinn mehr zu
haben. Da zogen wir die Notbremse. Der Gedanke, Verbündete zu suchen und eine
Selbsthilfegruppe zu gründen, war geboren.
Am 16. August 2008
gab es dann ein erstes Treffen mit sieben Gleichgesinnten. Heute haben wir als
Verein 43 Mitglieder mit steigender Tendenz. Das zeigt deutlich den Bedarf
Betroffener, „dicke“ Probleme gemeinsam zu bewältigen. Am 12.06.2010 fand dann
die Gründungsversammlung des Vereins statt und seit 03.08.2010 sind sind wir
vom Registergericht Dresden als eingetragener Verein (e.V.) offiziell bestätigt
worden. Wir treffen uns einmal im Monat, um uns zu unterhalten, zu beraten, um
Erfahrungen auszutauschen und auch, um uns gegenseitig Mut zu machen. Das hilft
allen Beteiligten, die Probleme im Alltag besser zu bewältigen. Zum
Gruppenleben gehören gemeinsame Bowling-Abende, Wanderungen und anderes. Dabei
entstehen auch neue Freundschaften. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, denn
dadurch kommen viele Betroffene aus ihrer teilweisen oder gar totalen Isolation
heraus. Das steigert auch das seelische Wohlbefinden enorm.
Nicht unerwähnt
bleiben soll auch die sehr gute Zusammenarbeit und die stete Unterstützung der
Gruppe durch das Krankenhaus Dresden-Neustadt. In diesem Haus gibt es auch seit
einiger Zeit das erste Adipositas-Zentrum in Sachsen, wo ein interdisziplinäres
Team sich in hervorragender Weise der Problematik des Übergewichtes annimmt. So
bereichern Vorträge durch geschultes Fachpersonal die Gruppenarbeit, wo zum Beispiel
medizinische Möglichkeiten zum Abbau von Übergewicht vorgestellt werden. Nicht
zuletzt steht immer ein großer Raum in der Klinik für die Gruppentreffen zur
Verfügung.